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VonFrage: Darmkrebs - Viele verpassen eine Chance
Steffen
webmaster@mammitzsch.de
13 Jan 2006 09:42:22
Viele verpassen eine Chance
Der Facharzt Dr. Axel Munte über die Bilanz des vor drei Jahren eingeführten Darmspiegelung-Programms


Dr. med. Axel Munte, Internist und Gastroenterologe, ist Chef der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns und engagiert sich zusammen mit der
Felix-Burda-Stiftung für die Früherkennung von Darmkrebs.



Herr Dr. Munte, seit 2002 können sich die Deutschen vom 56. Lebensjahr an auf Kassenkosten den Darm spiegeln lassen. Ist dieses Angebot erfolgreich?
Ja und nein. Ja, weil wir damit die meisten Tumore bereits in einem frühen, noch heilbaren Stadium entdecken und weil wir bei etwa jedem vierten
Untersuchten Darmpolypen entfernen, aus denen später Krebs entstehen könnte. Nein, weil das Angebot nur von weniger als drei Prozent der Berechtigten
in Anspruch genommen wird.


Woran liegt das?
Die Menschen neigen dazu, den Kopf in den Sand zu stecken, wenn sie vor etwas Angst haben. Viele meinen immer noch, sie würden es schon spüren, wenn
sie einen Darmtumor hätten. Ein solcher kann aber schon faustgroß sein, ehe er sich bemerkbar macht. Hinzu kommt, dass die Analregion ein Tabubereich
ist. Deshalb genieren sich viele Menschen auch vor dem Arzt.


Haben die Leute auch Angst vor der Untersuchung selbst?
Auch viele ältere Ärzte scheuen sich davor, weil die Darmspiegelung früher recht schmerzhaft war. Das hat sich geändert. Sie sehen das auch daran,
dass etwa in meiner Praxis die Hälfte aller Untersuchten auf Beruhigungs- und Schmerzmittel verzichtet. Manche empfinden jedoch die Vorbereitung als
unangenehm: Man muss eineinhalb bis zwei Tage fasten und eine Spüllösung trinken, um den Darm zu entleeren. Abführmittel sind allerdings heute nicht
mehr nötig.


Lohnt es sich denn, die Unannehmlichkeiten in Kauf zu nehmen?
Unbedingt, wenn man bedenkt, dass Darmkrebs im Frühstadium mit fast 100-prozentiger Wahrscheinlichkeit geheilt werden kann – und in unzähligen Fällen
sogar verhindert wird, wenn wir Polypen entfernen. Es ist kaum nachvollziehbar, warum so viele Menschen diese Chance vertun.


Sind sie vielleicht nicht ausreichend informiert?
Wir haben zusammen mit der Felix-Burda-Stiftung in den vergangenen Jahren äußerst intensiv für die Darmkrebsvorsorge geworben, im Fernsehen, im
Rundfunk und mit Broschüren. Aber offensichtlich müssen wir noch mehr tun.


Können Sie den Nutzen des Früherkennungsprogramms mit Zahlen belegen?
Wir haben allein in Bayern im vergangenen Jahr bei 65.000 Untersuchten rund 600 Fälle von Darmkrebs entdeckt und über 16.000-mal Polypen entfernt. Wir
wissen, dass die Heilungsraten im Frühstadium deutlich höher sind. Allerdings können wir noch nicht mit konkreten Zahlen belegen, dass die
vorsorgliche Darmspiegelung das Leben verlängert. Dazu müssen wir erst über einen gewissen Zeitraum hinweg Daten sammeln und auswerten.


Wäre es nicht gerechtfertigt gewesen, die Wirksamkeit des Programms erst in einer Studie zu untersuchen?
Dann hätten wir viele Jahre verloren. Angesichts von jährlich 60.000 Erkrankungen und 30.000 Todesfällen durch Darmkrebs halte ich es für
gerechtfertigt, dass wir den umgekehrten Weg gehen. Es wäre allerdings nicht in Ordnung, das Programm ohne exakte Datenerfassung zu betreiben. Außer
der Wirksamkeit können wir damit auch Schwachstellen erfassen: zum Beispiel, ob die Altersgrenzen richtig festgelegt sind und ob der Abstand von zehn
Jahren zwischen zwei aufeinander folgenden Untersuchungen eng genug gewählt wurde.


Könnte dabei auch herauskommen, dass die Darmspiegelung gar nicht jeden Darmkrebs entdeckt?
Dazu gibt es bereits Daten. Uns entgehen nur drei bis vier Prozent aller Tumore. Die Optik der Endoskope ist so gut, dass wir bereits millimeterkleine
Polypen erkennen.



Hängt es nicht auch vom Können und der Erfahrung des einzelnen Arztes ab, ob er die gefährlichen Stellen erkennt?
Ja. Deshalb dürfen am Früherkennungsprogramm auch nur Ärzte teilnehmen, die jährlich mindestens 200 endoskopische Untersuchungen machen und dabei
mindestens zehnmal Polypen entfernen. Außerdem haben sie strenge Hygiene-Richtlinien zu beachten und werden daraufhin überprüft, ob ihre Endoskope
keimfrei sind. In Deutschland verfügen rund
3000 Ärzte über diese Qualifikation. Dass sie ihr Handwerk beherrschen, zeigt sich auch daran, dass Komplikationen wie Blutungen bei weniger als einem
Prozent aller Darmspiegelungen vorkommen.


Apotheken Umschau; 03.01.2006
Katharina Gerdes
kd-gerdes@arcor.de
19 Jul 2007 15:50:57
Bei mir hat man gleich 18 Polypen im Darm festgestellt. Aus Zeitgründen erstmal 9 entfernt die andern werden erst Anfang September entfernt. Hat schon
einmal einer soviel Polypen gehabt und es ist dann alles ok gewesen?
kd-gerdes@arcor.de
sommer
09 Sep 2007 19:37:43
Ich wüde mich über eine Antwort freuen.

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